Wirecard Aktien / Anleihen
Sowohl Aktionäre als auch Anleihegläubiger der Wirecard AG sehen sich enormen Verlusten ausgesetzt. Nun wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Forderungen sollen bis zum 26.10.2020 angemeldet werden. Sind Sie auch betroffen? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
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Wirecard Aktie

Aktionäre der Wirecard AG sehen sich aufgrund des Kurzsturzes sowie der Insolvenz erheblichen Verlustrisiken ausgesetzt. Seit einem Bericht der Financial Times (FD) im Jahr 2016 wurde über die Wirecard AG immer wieder berichtet. Das Unternehmen sah sich zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Die Rede war von intransparenten Transaktionen und dubiosen Partnerfirmen im Ausland. Aktuell sollen rund 1,9 Milliarden Euro fehlen. Die WirtschaftsWoche berichtet in ihrem Beitrag vom 26.06.2020, dass sich „Hinweise verdichten“, wonach „ein wesentlicher Teil des Geschäfts der vergangenen Jahre erfunden sein könnte“.

 

Haftet der langjährige Wirtschaftsprüfer?

Seit Jahren prüft die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die Abschlüsse der Wirecard AG. Sämtliche von dieser Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüften und testierten Jahresabschlüsse wurden ohne Beanstandungen erteilt. Noch am 24.04.2019 erteilte Ernst & Young der Wirecard AG einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk und bestätigte (bisher letztmals) damit die Ordnungsgemäßheit des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts.

 

BGH lässt Wirtschaftsprüfer haften

Investoren (Aktionäre etc.) sind falschen Testaten nicht schutzlos ausgeliefert. Der BGH stellt klar, dass der testierende Wirtschaftsprüfer gegenüber Investoren haftet, wenn die Bilanzen fehlerhaft sind und diese von ihm nicht hätten testiert werden dürfen. Dass ein Wirtschaftsprüfer gegenüber Anlegern haftet, wenn er seine Aufgaben nachlässig erledigt, beispielsweise durch die unzureichende Ermittlung oder durch die Angaben „ins Blaue hinein“, hat der BGH im März 2020 nochmals entschieden und führt damit seine Rechtsprechung aus dem Jahr 2014 fort.
 
Aktionäre, aber auch andere Investoren, können sich auf die BGH-Rechtsprechung sowie die Rechtsprechung zur Expertenhaftung berufen.
 
Zugunsten der Investoren wird vermutet, dass sie in Kenntnis des falschen Testats ihre Anlageentscheidung (Kauf/Verkauf von Aktien oder Wertpapieren) anders getroffen hätten. Das heißt, der Wirtschaftsprüfer (!) muss darlegen und beweisen, dass das Testat für die Anlageentscheidung nicht ursächlich war.

 

Haftung von E&Y? Feststellungen des Sonderprüfers KPMG

Im Fall Wirecard existiert bereits ein Bericht des eingesetzten und vom Aufsichtsrat beauftragten Sonderprüfers, der Ungereimtheiten nahelegt. In dem 74 seitigen langen Bericht (der uns vorliegt) heißt es, dass die für die Sonderprüfung erforderlichen Unterlagen nicht vollständig vorgelegt wurden. In dem Bericht heißt es u.a.:

„Entsprechende Unterlagen bzw. Verträge wurden uns bis zum Abschluss unserer Untersuchung nicht zur Verfügung gestellt.“ Feststellend heißt es weiter: „KPMG war daher nicht in der Lage, die eigene Einstufung der Wirecard als Prinzipal und damit als vorgenommene „Bruttobilanzierung“ der Umsatzerlöse vollständig nachzuvollziehen.“

Zudem wird in dem Bericht weiter festgestellt, dass die bereitgestellten Nachweise, also Saldenbestätigungen, gegenüber dem Abschlussprüfer sowie die Abrechnungen, und Verträge nach Ansicht des Sonderprüfers nicht ausreichen.
 
Bislang liegt der Verdacht nahe, dass der Wirtschaftsprüfer sich die Salden nicht unmittelbar von der Bank oder dem Treuhänder hat bestätigen lassen. Dies könnte der Grund für die uneingeschränkte Testierung des Abschlusses sein. Fraglich ist nur, hat man sich tatsächlich auf die vom Unternehmen vorgelegten Unterlagen verlassen?
 
Hinzu kommen weitere Ungereimtheiten, die der Sonderprüfer in seinem Bericht offenlegt:
 
Soweit es 34 in der Presse zitierte angebliche Kunden betraf, teilt der Sonderprüfer mit, dass die tatsächlichen Kundennamen nicht vorgelegt wurden, weshalb im Rahmen der Untersuchung nicht verifiziert werden konnte, ob die Kundenbeziehung im Untersuchungszeitraum 2016 bis 2018 tatsächlich bestanden.
 
Auch soweit es die Bilanzierung (der Escrow Accounts) betrifft, zweifelt der Sonderprüfer ebenfalls an, dass diese zutreffend bilanziert wurden. Ein Nachweis, dass diese Guthaben bestanden, wurde dem Sonderprüfer nicht vorgelegt.

 

Haftung für fehlerhafte Ratings?

Eine Haftung der Ratingagentur ist, wie vor kurzem ein Landgericht festgestellt hat, nicht ausgeschlossen.
 
Ratingagenturen haften gegenüber Investoren für falsche Ratings sogar nach der EU-Rating-VO unter den dort näher genannten Voraussetzungen (Art. 35 a EU-Rating-VO); die EU-Rating-VO gilt unmittelbar in allen EU-Ländern. Zudem sind die nationalen Vorschriften zu beachten, die neben dem europäischen Haftungsregime stehen.

 

Was sollten Aktionäre beachten?

Aktionäre sollten prüfen lassen, ob sie Ansprüche gegen den Wirtschaftsprüfer geltend machen können. Fest steht schon jetzt, nur Aktionäre die tätig werden, können Verluste vermeiden. Wer nichts tut, wird aller Voraussicht nach empfindliche Verluste erleiden. Investoren sollten in jedem Fall die Verjährung ihrer Ansprüche vermeiden.
 
Sprechen Sie uns an und profitieren Sie von unserer langjährigen Expertise im Kapitalmarktrecht sowie im Insolvenzrecht. Unsere Ersteinschätzung erhalten Sie kostenlos.

 

Haftung des Vorstandes

Gegenüber Aktionären haftet der Vorstand nach den Vorschriften des Deliktsrechts. Das heißt: kann dem Vorstand ein Betrug oder aber die unrichtige Darstellung (iSd § 400 AktG) nachgewiesen werden, stehen dem Aktionär Schadensersatzansprüche zu.
 
Der BGH hat in der Vergangenheit die Haftung eines deliktisch handelnden Vorstandes bereits rechtskräftig entschieden.
 
Im Fall Wirecard wird bereits strafrechtlich ermittelt. Gegen zwei ehemalige Vorstände wurden Haftbefehle erlassen, von denen bislang nur einer gegen Zahlung einer siebenstelligen Kautionssumme sowie weiterer Auflagen vorerst außer Vollzug gesetzt wurde.

 

Was sollten Aktionäre beachten?

Investoren, gerade Aktionäre, können schon zum jetzigen Zeitpunkt ihre Ansprüche geltend machen und müssen nicht auf eine Verurteilung, die erst in Jahren – nach langwierigen Ermittlungen – erfolgen könnte, warten. Nicht selten verjähren die Schadensersatzansprüche bevor die strafrechtliche Verurteilung rechtskräftig ist. Daher müssen Aktionäre rechtzeitig tätig werden, damit ihre Ansprüche nicht verjähren.
 
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Anleihe der Wirecard AG

Neben den börsennotierten Aktien hat die Wirecard AG eine Anleihe mit einer Stückelung von 100.000,00 € je Teilschuldverschreibung emittiert (ISIN: DE000A2YNQ58). Diese Anleihe ist mit 0,5 % jährlich verzinst und hat eine Laufzeit bis zum 09.11.2024.
 
Für die Haftung der Schäden der Anleihegläubiger gilt dasselbe, wie für die Aktionäre.

 

Besonderheiten im Insolvenzverfahren

Die Wirecard-Anleihe wurde nach deutschen Recht emittiert, sodass auf sie grundsätzlich das Schuldverschreibungsgesetz anzuwenden ist. Dies hat zur Folge, dass nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Gläubigerversammlung allein für die Anleihegläubiger dieser Schuldverschreibung nach § 19 SchVG i.V.m. der Insolvenzordnung einzuberufen ist. Im Rahmen dieser Anleihegläubigerversammlung können die Anleihegläubiger darüber abstimmen, ob und gegebenenfalls wer ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren vertreten und geltend machen soll. Die Wahl eines solchen gemeinsamen Vertreters ist nicht verpflichtend, sondern optional.
 
Die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters ist in vielen Fällen sinnvoll, da hierdurch einzelne Anmeldungen vermieden werden können. Zudem muss der gemeinsame Vertreter nicht den Nachweis der Inhaberschaft der Anleihe nachweisen, sondern vielmehr reicht der ihn bestellende Beschluss aus, damit er die Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden kann.
 
Wird ein gemeinsamer Vertreter nicht bestellt, müssen die Forderungen von jedem Anleihegläubiger einzelnen angemeldet und zudem der Nachweis erbracht werden, dass der anmeldende Anleihegläubiger zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz der Anleihe ist.

 

Wie verhalte ich mich im Insolvenzverfahren?

Gläubiger der insolventen Wirecard AG können grundsätzlich ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren anmelden. Dies setzt die Eröffnung des Insolvenzverfahrens voraus. Derzeit ist das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet, sodass etwaige Forderungen noch nicht beim Insolvenzverwalter angemeldet werden können.
 
Wir gehen derzeit davon aus, dass das Insolvenzverfahren in rund drei Monaten eröffnet wird. Investoren sollten jedoch nicht erst dann, sondern schon jetzt tätig werden, um die Frist zur Anmeldung der Forderungen für das Insolvenzverfahren einhalten zu können. Zwar ist eine spätere Nachmeldungen nach Ablauf der vom Insolvenzgericht gesetzten Frist möglich, dies ist jedoch mit weiteren Kosten verbunden, die vermieden werden können.
 
Aktionäre der insolventen Wirecard AG stellen zwar grundsätzlich nachrangige Forderungen im Sinne der Insolvenzordnung dar, dennoch besteht die Möglichkeit, die Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden, wenn ein deliktischer Anspruch besteht. Derzeit spricht vieles dafür, dass strafrechtlich relevante Handlungen begangen wurden. Dies ist auch der Grund, weshalb die Staatsanwaltschaft München derzeit ermittelt.
 
Für die Anmeldung und Vertretung im Insolvenzverfahren berechnen wir regelmäßig ein Pauschalhonorar, wodurch eine Kostentransparenz für Sie gewährleistet ist.

 

Allgemeines zu Wirecard

Die Wirecard AG wurde im Jahr 1999 gegründet und ist seit dem 24.09.2018 im DAX notiert. Die AG hat 123.565.586 Stückaktien (ISIN: DE0007472060) ausgegeben. Am 09.11.2019 emittierte die Wirecard AG zudem eine 500 Millionen Anleihe (ISIN: DE000A2YNQ58) mit einer Stückelung von 100.000,00 € je Teilschuldverschreibung. Diese Anleihe ist mit 0,5 % jährlich verzinst und hat eine Laufzeit bis zum 09.11.2024.
 
Der überwiegende Anteil der Aktien befindet sich laut Geschäftsbericht 2018 (Stichtag 31.12.2018) im Streubesitz (92,95 %).
 
Die Wirecard AG ist ein Technologiekonzern, der nach eigenen Angaben „seine Kunden und Partner dabei unterstützt, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen sowie Zahlungsinstrumente herauszugeben“.
Zum 31.12.2018 hielt die Wirecard AG an insgesamt 53 Tochterunternehmen jeweils 100 % der jeweiligen Anteile, so auch an der Wirecard Bank AG.
 
Das Grundkapital von 123.566 TEUR ist in jeweils 1,00 € Aktien eingeteilt.

Sascha Borowski

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